Franz Reschke Landschaftsarchitektur

03/2019

Erinnerungsort Friedhof Altglienicke

Berlin

Realisierungswettbewerb, 2. Preis
Scheinbar unsichtbar - liegen hier über 1.360 Opfer des Nationalsozialismus begraben. Vergraben, denn zu großen Teilen geschah dies ohne Kultur und Anstand. Die Dichte und Überlagerung der Bestattungen auf engstem Raum ist Ausgangspunkt der Arbeit. Die zwischen 1940-45 durchgeführten Bestattungen sind selbst vor Ort kaum vorstell- noch nachvollziehbar. ‚Zeugen‘ waren und sind die mächtigen Linden die das Grabfeld mit Ihren Kronen überragen. Ihre Wurzeln sind verwoben mit der seit fast 80 Jahren ‚aschedurchsetzten‘ Erde. Es gilt die Linden zu schützen wie die Fläche selbst - sie erzählen und tragen die Geschichte der hier Bestatteten weiter. Ein präzise eingepasster Rahmen aus Klinkern fasst das Grabfeld ein. Er akzentuiert und schützt die Grabfläche. Der Rahmen liegt leicht nach außen und in den Friedhofsweg versetzt, um Störungen des Grabfeldes und Eingriffe in den Wurzelraum der Bäume zu vermeiden. Entlang des Friedhofsweges nehmen drei leicht aus dem Rahmen geschrägt herausgearbeitete, etwa zwölf Zentimeter erhabene Flächen die Inschrift der Namen der ca. 1.360 Opfer auf. Diese sind in acht durchlaufenden Zeilen geordnet, entsprechend des Formates der Klinker. Eine Auffindbarkeit des einzelnen Namen ist ebenso möglich, wie der ‚freie‘ Querbezug zwischen den Zeilen. Die erdig warm-grauen Farben des Klinkers changieren je nach Herkunft und lassen die Unterschiedlichkeit der Opfergruppen erkennen, ohne das Verbindende zu verlassen. Der Blick wandert von einem Namen zu den umliegenden. Johann Skrzypek, Alois Skrzypski, Peter Skubiszak. Rudolph Ziegler, August Zielinski, Boleslaus Zielinski. Deutsche, Polen, Russen, Österreicher, Tschechen nebeneinander. Deutsche Opfer mit polnischen Namen, Tschechen mit deutschen Namen. Zwischen den Namen der Opfer verteilt und ihnen gleichwertig gestaltet, sind Gedenkzeilen angebracht in den verschiedenen Sprachen der Opfer. Sie zitieren das gemeinsame Grab unter dem Dach dieser alten Linden. Individuelles Gedenken an jeden Einzelnen und gemeinsames Gedenken aller werden verbunden.
Typologie
Gedenkort
Fläche
460 qm
Auslober
Land Berlin
Projektteam
Bérengère Chauffeté, Franz Reschke
In Zusammenarbeit mit
Studio Sophie Jahnke