Franz Reschke Landschaftsarchitektur

2010-2016

Gedenkort Synagogenplatz

Lviv/Ukraine

Nach mehreren Jahren der Planung, intensiver Diskussion und einem internationalen Spendenaufruf wurde 2015 mit der Umsetzung des ersten Bauabschnittes begonnen. Im Herbst 2016 wurde der nördliche Teilbereich, auf den Flächen der Synagoge "Goldene Rose" und des ehemaligen Beth Hamidrash (Toraschule) fertiggestellt.

Den noch erhaltenen Grundmauern der "Goldenen Rose" wird ein flacher Holzsteg vorgelagert. Dieser zeichnet die Kontur der zerstörten Frauengalerie nach und bietet Einblick sowie wertschätzende Distanz zu den erhaltenen und denkmalpflegerisch konservierten Ruinen. Im Bereich der Toraschule Beth Hamidrash wurde die Kontur des Gebäudes durch eine hellweiße Betonmauer nachgezeichnet und als grüner und lebendiger Ort gestaltet. Der zwischen den beiden ehemaligen Gebäuden liegende Raum wird zum Ausstellungs- und Informationsort. Gemeinsam mit der Gestalterin Sophie Jahnke wurde eine auf der Wettbewerbsidee der 'fortzuschreibenden Geschichte' basierende Installation bestehend aus Natursteintafeln entwickelt. Diese sind Teil einer atmosphärischen und emotionalen Erlebbarmachung der jüdischen Geschichte Lvivs. Gemeinsam mit der jüdischen Gemeinde und lokalen Historikern ausgewählte Zitate und Bilder aus der Geschichte des Ortes werden chronologisch gereiht dargestellt. Die teilweise Zerstörung der Steine durch Witterungseinflüße und deren dichte bzw. fragmentierte Positionierung sind ein Abstrakt der lebendigen, tragischen Geschichte und der fast verschwundenen Präsenz der jüdischen Gemeinde in Lviv.

Seit März 2017 ist der zweite Bauabschnitt des Gedenkortes auf der Fläche der ehemaligen "Großen Stadtsynagoge" in Planung.
Typologie
Öffentlicher Raum, Gedenkort
Fläche
800 qm (1. BA), 3.000 qm (gesamt)
Auftraggeber
Stadt Lviv, GIZ
Verfahren
Offener Wettbewerb, 2010, 1. Preis
Beauftragung
Entwurfsplanung, technische Leitdetails, künstl. Bauleitung
Auszeichnungen
DEUBAU Preis, Anerkennung (2014), Mies van der Rohe Award, Nominierung (2017), DA! Architektur in und aus Berlin (2018)
Veröffentlichungen
DETAIL (2013)
Projektleitung
Franz Reschke
Projektteam
Frederik Springer, Ninon Weber-Wittenberg, Felix Brüssow
In Zusammenarbeit mit
Studio Sophie Jahnke (Ausstellung)
Link zum Wettbewerb